SWP vom 07.09.2013 / 2

BAD MERGENTHEIM

80-prozentige Ein-Frau-Aktion

Den Themen klar Vorfahrt vor der Parteipolitik gibt Susanna von Dewitz. Die 40-Jährige segelt unter Piratenflagge und stellt ihre eigene Person in den Hintergrund: Es gehe um die Inhalte und nicht ums Mandat.

OLIVER BAUER | 

Themenpolitik und nicht Parteipolitik ist der Antrieb von Susanna von Dewitz. Die 40-Jährige aus Lauda-Königshofen kandidiert für die Piraten. Foto: Michael Nickolaus

“Es ist zu 80 Prozent ein Ein-Frau-Wahlkampf”, sagt Susanna von Dewitz. Mit einem überschaubaren 500-Euro-Budget, einigen wenigen Helfern beim Plakatieren und viel persönlichem Einsatz (“ich habe meine ganzen Plakate selbst gekleistert, war zwei Tage unterwegs und kenne jetzt sehr schöne Dörfer”) zieht die 40-Jährige aus dem zu Messelhausen gehörenden Weiler Hofstetten für die Piraten als Direktkandidatin in den Bundestagswahlkampf. “Da hat wohl auch die Erfahrung als Bürgermeister-Kandidatin mitgewirkt”, sagt sie über ihre Nominierung.

2012 machte sie Lauda-Königshofens Bürgermeister Thomas Maertens das Amt streitig und erreichte knapp 21,5 Prozent der Stimmen. Im damaligen Wahlkampf hat sie den Eindruck gewonnen, dass Politik an den Betroffenen vorbei gemacht wird und die Bürger nicht gefragt werden. Diese Ernüchterung habe aber nicht zu einer Abkehr von der Politik geführt – eher das Gegenteil ist der Fall. “Ich möchte, dass die Bevölkerung mehr zu sagen hat”, spricht sich Susanna von Dewitz für mehr direkte Demokratie aus. Ihr gehe es im Wahlkampf um die Themen und nicht ums Abgeordnetenmandat. Von Dewitz tritt nur als Direktkandidatin an – selbst wenn die Piraten die Fünf-Prozent-Hürde knacken, bleibt sie außen vor. Die aktuellen Umfragen, die die Piraten zwischen zwei und drei Prozent sehen, will sie nicht überbewerten: “Zwei/drei Wochen können eine lange Zeit werden.” Es werde sicherlich keine erdrutschartigen Veränderungen mehr geben, aber einen Einzug in den Bundestag halte sie für möglich.

Dass es die Piraten dabei nicht leicht haben, räumt sie ein. “Es ist alles öffentlich, auch Streitereien.” Dass diese Form der Auseinandersetzung für manche schwierig sei, stehe außer Frage. Zudem: Auch die Manpower bei den Piraten ist eine andere. In urbaneren Gegenden ist die Basis stärker, während im Main-Tauber-Kreis die Partei etwa 30 Mitglieder habe.

“Die Leute wissen, wir sind nicht die Partei, wo der Euro oder Syrien vorne dran steht”, sagt von Dewitz. Natürlich sei man programmatisch breit aufgestellt, aber Themen wie Transparenz, direkte Demokratie und vor allem Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung stehen vorne. Es gehe darum, die Menschen zu sensibilisieren. Die Denkweise zur NSA-Affäre, wenn man nichts zu verbergen habe, sei es auch nicht wichtig, ob die Daten sicher sind” will von Dewitz nicht stehen lassen. Ihr Beispiel: Eine Frau schaut sich Babywäsche im Internet an, ein potenzieller Arbeitgeber fischt die Daten ab und stellt die Frau nicht ein, weil er eine Schwangerschaft vermutet. “Das ist eine realistische Fiktion”, sagt sie.

Dass diese Denkweise mehr an Boden gewinnt, das sieht Susanna von Dewitz. Sie sagt: Von den Piraten eingebrachte Inhalte werden bei anderen Parteien aufgegriffen. Für sie ist das kein Problem: Das Thema zählt, nicht die Partei.

Quelle: http://www.swp.de/bad_mergentheim/lokales/bad_mergentheim/80-prozentige-Ein-Frau-Aktion;art5642,2189934

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