RNZ vom 16.09.2013

Mit “Wählern der Zukunft” diskutiert

Mosbach. (frh) Sie dürfen zwar noch nicht wählen – die örtlichen Kandidaten für die Bundestagswahl wollten sie trotzdem auf Herz und Nieren prüfen: Zur Podiumsdiskussion hatte stellvertretend für die Schüler des Nicolaus-Kistner-Gymnasiums in Mosbach die “Schülermitverantwortung” (SMV) eingeladen.

Zunächst begrüßte Schulleiter Hans Happes die Diskutanten Alois Gerig (CDU), Dr. Dorothee Schlegel (SPD), Hans-Detlef Ott (Grüne), Ulrike Quoos (FDP), Volker Bohn (Die Linke) und Susanna von Dewitz (Piratenpartei). “Dass Sie alle gekommen sind, zeigt bereits, dass die Wähler der Zukunft ernst genommen werden”, betonte Happes. Sein Dank galt insbesondere der SMV um Schülersprecherin Theresa Haas, welche gemeinsam mit Studienrat Andreas Klaffke die Veranstaltung organisiert hatte.

Sophia Hackel und Brian Haney moderierten die Diskussion, die weitaus lebhafter werden sollte als manche andere im bisherigen Verlauf des Wahlkampfes. Die Kandidaten hatten zu den einzelnen Themenfeldern Fragen von den Moderatoren sowie aus dem Publikum zu beantworten und in “Blitzrunden” Sätze zu vervollständigen.

Inhaltlich war die Podiumsdiskussion ein Potpourri der Bundespolitik mit Akzentuierung auf die Interessen der Jugendlichen. Diese machten im Verlauf der Veranstaltung von der Chance, selbst Fragen zu stellen, auch immer reger Gebrauch. Häufiger als zuletzt zu beobachten, lieferten sich die Politiker des aktuellen Regierungslagers und der Opposition einen verbalen Schlagabtausch.

War man sich beim Thema Bürgerrechte noch in weiten Teilen einig, so wurden bereits beim Thema Europa grundlegende Unterschiede deutlich: Während MdB Alois Gerig und Ulrike Quoos herausstellten, dass es keine gemeinschaftliche Haftung für Schulden geben sollte, sprach Dr. Dorothee Schlegel davon, dass Europa nicht alleine am Euro festzumachen sei. Noch deutlich revolutionärer erklärte sich Volker Bohn: “Meine Vision von Europa wäre, dass es einmal gar keine Nationalstaaten mehr gibt.” Stimmung war beim Begriff der Energiewende geboten: Als Gerig diese für die CDU reklamierte, hielt Hans-Detlef Ott eine Flagge der Anti-Atomkraft-Bewegung in die Höhe und erntete stürmischen Jubel im Saal.

Bei der Arbeits- und Sozialpolitik erklärte Alois Gerig Deutschland zum europaweiten Vorbild. “Es hilft nicht weiter, alles nur schlecht zu reden”, sagte Gerig in Richtung der Oppositionsvertreter, die ihm wechselweise mit politischen “Nadelstichen” zusetzten. So hielt etwa Sozialdemokratin Dr. Schlegel die Ausweitung von schlecht bezahlter Beschäftigung gerade bei jungen Menschen für bedenklich: “Ich will verhindern, dass Sie zur nächsten ,Generation Praktika’ werden!”, rief Schlegel. Ott ergänzte: “In manchen Branchen sind 400-Euro-Jobs zur Regel geworden, das geht so nicht!”

Der Bogen zum Thema “Rente” – das durchaus etwas überraschend auch großes Interesse beim jugendlichen Publikum fand – war damit leicht geschlagen. Die Liberale Ulrike Quoos etwa gab den jungen Menschen einen Rat mit auf den Weg: “Sorgt auch selbst privat vor!” Einen völlig anderen Ansatz erläuterte die Piratin Susanna von Dewitz mit dem “Bedingungslosen Grundeinkommen” (BGE). Nach diesem Modell würde jeder “von der Wiege bis zur Bahre” monatlich bedarfsunabhängig einen kleinen Geldbetrag zur Grundsicherung des Lebensunterhalts erhalten. “Dann wäre das Renten-Problem auch nicht mehr ganz so schlimm”, meinte von Dewitz.

Auf das Ergebnis der “U18-Wahl” dürfte die Podiumsdiskussion allerdings kaum Einfluss gehabt haben – die meisten Schüler hatten bereits zuvor ihre Stimme abgegeben.

Quelle: http://www.rnz.de/mosbach/00_20130916080039_106966121_Mit_Waehlern_der_Zukunft_diskutiert.html

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